Unsere Stellungnahme zum neuen Universitätsgesetz

von //

PDF ANSEHEN

 

Stellungnahme zum Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Universitätsgesetz 2002 -UG, das Hochschul Qualitätssicherungsgesetz -HS- QSG und das Hochschulgesetz 2005 -HG geändert werden

 

Allgemeine Vorbemerkungen


Vorab möchten wir unsere Positionen zu folgenden anderen Stellungnahmen erklären:
• Wir schließen wir uns der gemeinsamen Stellungnahme der RektorInnen und VizerektorInnen für Lehre sowie der Senatsvorsitzenden und ihrer StellvertreterInnen der sechs Kunstuniversitäten an.
• Wir erklären uns solidarisch mit der Stellungnahme der Senatsvorsitzendenkonferenz.
• Wir untermauern die ausführlichen allgemeinen Argumentationen in der Stellungnahme der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft.
Im Folgenden möchten wir die Möglichkeit einer Stellungnahme vor allem dazu nutzen, um insbesondere jene Problematiken aufzuzeigen, welche sich für Studierende von künstlerischen Studien an unserer Universität durch den vorliegenden Entwurf ergeben.

 

Über die Notwendigkeit individuelle Gründe für Beurlaubungen an unserer Universität festzulegen

Das Studieren von künstlerischen Studien gestaltet sich oft unter gänzlich anderen Lebensumständen als das reiner wissenschaftlicher Studien. Die Leitungsorgane an der Kunstuniversität Graz, allen voran unser Senat, kennen die Bedürfnisse und besonderen Herausforderungen im Leben unserer Studierenden neben uns, ihrer Interessenvertretung, am besten. Unter Umständen kann im Ministerium nicht immer ein klares Bild von den besonderen bzw. typischen und leider oft mannigfaltigen Problemen im Alltag der Studierenden unserer Universität empfunden werden. Die Möglichkeit weitere Beurlaubungsgründe in unserer Satzung zu definieren ist ein wertvolles und unverzichtbares Gut um spezifisch und flexibel den Herausforderungen unserer Studierenden gerecht zu werden.

In unserer momentanen Satzung wurden deswegen die Gründe für eine Beurlaubung wie folgt erweitert: zusätzlich zu den in §67 UG angeführten Beurlaubungsgründen können Studierende auch wegen künstlerischer oder wissenschaftlicher Projekte oder aus anderen schwerwiegenden, Studien behindernden Gründen beurlaubt werden.

Ein Beispiel dass die Notwendigkeit im Bezug auf den ersten additiven Beurlaubungsgrund zeigt wäre zum Beispiel, wenn eine Studierende oder ein Studierender mitten im Studium die Möglichkeit eines befristeten Arbeitsverhältnis in einem Opernstudio angeboten bekommt. Das Wegfallen dieser Ausnahme würde wohl unmittelbar dieser oder diesem herausragenden Studierenden an Möglichkeiten berauben.

Zum letzteren Punkt möchten wir folgendes Beispiel ausführen: Ein Instrumentalstudium kann mit enormen psychischen und körperlichen Belastungen verbunden sein. Das Studium eines Musikinstrumentes ist weit mehr als die Wahl eines späteren Berufsbereiches, es formt unsere Persönlichkeit. Eine Pause in Form einer Beurlaubung ist in bestimmen Situationen nicht selten genau jener Weg, welcher unter diesen Umständen eine bestmögliche gedeihliche Entwicklung der Studierenden zur Folge hat. Manchmal, oft wohl genau dann, wenn Studierende sich nicht trauen den Weg einer Beurlaubung zu gehen, erleben wir Fälle in denen Musikstudierende aufgrund des immensen Drucks ihrem Instrument ganz versagen, sowohl während des Studiums oder auch
unmittelbar danach. 

Unserer Universität die Autonomie zu nehmen selbst festzulegen, was über das Universitätsgesetz hinaus sinnvolle Beurlaubungen sind, wird an unserer Universität zu mehr Studienabbrechern, in Summe zu schlechteren Leistungen und damit zu weniger Absolventen führen, welche mittels ihres Faches, beruflich und darüber hinaus, erfolgreich in unserer Gesellschaft wirken können.

In diesem Zusammenhang muss unbedingt auch auf die Notwendigkeit verwiesen werden, die Beurlaubung auf ein einzelnes Studium hin möglich zu machen, wie es in der Stellungnahme der Kunstuniversität Graz auf S.23,24 erörtert wird. Auch dass die Beurlaubungsgründe im ersten Semester eingeschränkt werden sollen, lehnen wir analog in der Argumentation auf S.12 ab.

 

Das Credo des raschen Studienfortschritts und seine Kontraproduktivität in der Kunst

Im vorgeschlagenen Entwurf wurde hinzugefügt, dass Studierende die Pflicht haben ihren Studienfortschritt eigenverantwortlich im Sinne eines raschen Studienabschlusses zu gestalten (§59). Dieser Passus scheint zudem Grundlage und Ausgangspunkt für viele weitere der vorgelegten Änderungen gewesen zu sein, welche diese Thematik ebenfalls betreffen. Im Folgenden möchten wir darlegen, wieso sich, insbesondere in künstlerischen Studien, ein Studium nach diesem Prinzipien nachteilig auf den unveränderten §1 des Universitätsgesetzes auswirkt. Demnach sollen Studierende durch ihr Studium dazu gerüstet werden verantwortlich zur Lösung der Probleme des Menschen, sowie zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft und der natürlichen Umwelt beitragen zu
können.

In der Praxis, welche wir tagtäglich bei unseren Mitstudierenden beobachten können, zeigt sich, dass der Übergang ins Berufsleben meist ein gradueller ist und sich Studium und berufliche Tätigkeit fast immer überlappen. Die Universität ist neben dem reinen Ort, wo Studierende Kompetenzen sammeln, zum großen Teil ein Dreh-und Angelpunkt des gegenseitigen Austausches an dem Vernetzungen entstehen, ohne welche eine erfolgreiche Karriere im Anschluss undenkbar wäre.

Das Studium eines künstlerischen Faches lebt auch von Misserfolgen. Scheitern und das Daraus- Lernen sind Grundbausteine eines lebenslangen sowie lebensnotwendigen Prozesses bei Künstlern, eine Kernkompetenz, welche nicht in ECTS gemessen oder aufgewogen werden kann.

Viele unserer Studierenden sind zwingend auf das Sicherheitsnetz angewiesen, welches die Kunstuniversität Graz seinen Studierenden in Bezug auf den Übergang ins Berufsleben gibt. Würden die Studierenden primär der Pflicht folgen, ihr Studium „einfach nur abzuschließen”, im Sinne eines raschen Studienfortschritts, obwohl wesentliche Prozesse der Bildung einer KünstlerInnen- persönlichkeit noch nicht abgeschlossen sind, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese im Nachhinein nicht schaffen mit ihrer Kunst fruchtbar in unserer Gesellschaft zu wirken.

Durch viele der vorgeschlagenen Änderungen im Gesetz werden die Studierenden jedoch dazu gedrängt ihr Studium abzuschließen: ohne Rücksicht auf die tatsächliche Qualität der erworbene Kompetenzen und ob diese zum Überleben überhaupt reichen.

 

Gleichstellung aller Studierenden

An der Kunstuniversität Graz ist circa jeder vierte Studierende aus einem sogenannten Drittstaat. Diese Gruppe musste bisher und soll auch in Zukunft, ohne inhaltliche Begründung, den doppelten Studienbeitrag bezahlen. Die Entrichtung dieses Betrages stellt für die Betroffenen oftmals eine wesentliche Hürde dar. Beispielsweise wurden beim Nothilfefont, der im Rahmen der Coronakrise geschaffenen wurde, circa zwei Drittel aller Beihilfen an Studierende aus Drittstaaten bewilligt.

Die Kunstuniversität Graz profitiert immens von der Diversität, welche insbesondere durch Studierende aus Drittstaaten stark erhöht wird. In den überwiegend musikalischen Studien an der Kunstuniversität Graz führen die Synergien mit Menschen aus einem anderen kulturellen Hintergrund zu einer gesteigerten Kreativität bei allen Beteiligten. Darüber hinaus treten Studierende aus Drittstaaten nach ihrem Studium entweder als Botschafter und Botschafterinnen Österreichs und
Europas auf, oder, wenn sie nach dem Studium weiterhin hier leben, leisten diese einen unersetzbaren kulturellen Beitrag.

Des Weiteren entsteht durch die Ungleichbehandlung beim Studierendenbeitrag, neben der finanziellen Hürde für die Betroffenen, auch ein Knick in der Gemeinschaft der Studierenden. Die Tragweite dessen negativer Auswirkungen lässt sich nur schwer abschätzen, eines ist jedoch sicher: förderlich für die Qualität des Studiums ist er in keiner Hinsicht.

 

 

Zurück

Weitere News für dich